Flüchtlinge helfen in der Schule

Flüchtlinge helfen in der St.-Lambertus-Schule

Manuel links hilft den Schülern beim Basteln. Klassenlehrerin Jutta Angelkort schaut ihm dabei zu.

Walstedde – „Für mich ist die Schule wie meine Familie geworden“, erzählt der 30-jährige Manuel Paulo aus Angola. Seit Oktober hilft er den Kindern der Klasse 3b beim Basteln, Malen oder Rechnen. Einen Monat später bekommt auch die Parallelklasse mit dem 24-jährigen Russel Obinali aus Nigeria einen „Hilfslehrer“ an die Seite gestellt.

Auf die Idee, zwei Flüchtlinge als Helfer in den Unterricht einzuteilen, kam Birgitta von Rosenstiel, Leiterin der Lambertus-Grundschule, als sie von den Sorgen und Berührungsängsten der Eltern hörte.

Diese fanden die Nähe der Flüchtlinge, die in der Sporthalle direkt neben der Turnhalle wohnen, anfangs befremdlich. „Wir hatten von Anfang an durch den Sportunterricht direkten Bezug zu den Flüchtlingen in der Halle“, erklärt die Schulleiterin. Zudem wollte sie einigen von ihnen eine Beschäftigung geben, der großen Langeweile entgegenwirken. So gib es Flüchtlinge, die dem Hausmeister zur Hand gehen oder solche, die sich speziell um die Außenanlagen kümmern oder auch in der OGS die Kinder mitbetreuen. „Schön wäre es, wenn Firmen sich ebenfalls bereit erklären würden, Asylbewerbern eine Beschäftigung zu geben, findet Birgitta von Rosenstiel.

„Besondere Menschenfreundlichkeit“

„Als ich Russel und Manuel kennengelernt habe, spürte ich bei ihnen von Anfang an eine besondere Menschenfreundlichkeit“, erklärt von Rosenstiel.

Auch die beiden Klassenlehrerinnen empfanden die beiden Asylbewerber von Beginn an als Bereicherung für die Klasse. „Ich finde das einfach super, Manuel in der Klasse zu haben. Wir helfen ihm, indem er von uns die Sprache lernt, gleichzeitig lernen wir auch viel von ihm“, berichtet Jutta Angelkort.

Auch in die Mittagsaufsicht sind die beiden Flüchlinge inzwischen eingebunden.

Mittlerweile hat Manuel ein richtiges Vertrauensverhältnis zu den Kindern aufgebaut. Gerade bringt er ihnen ein Tischfußballspiel aus seiner Heimat bei, bei dem die Spieler durch Flaschendeckel ersetzt werden und der Ball eine kleine Kugel ist. Im Sachunterricht haben die Kinder eine Afrika-Werkstatt aufgebaut. Auch hier kann der Afrikaner mit seinem Wissen beitragen. „Wir wollen die Kinder mit dem Thema Flüchtlinge nicht allein lassen“, erklärt die Lehrerin. So habe sei im Religionsunterricht und beim besinnlichen Adventskalender in der Adventszeit viel über die Flüchtlingsthematik gesprochen und versucht worden, Verständnis bei den Kindern zu wecken.

Immer für einen Scherz gut

Manuel ist voll integriert. Wie selbstverständlich wird er in den Geburtstagskreis geladen, und als er kürzlich nach einem Krankenhausaufenthalt zurückkam, überraschten ihn die Kinder mit einem Willkommensgeschenk. „Das hat mich ehrlich gefreut, da wusste ich, das ist meine Familie“, erzählt der Angolaner und bekommt dabei feuchte Augen. Überhaupt macht sich Manuel viel Gedanken. „Ich denke viel über die Welt und das Leben nach und warum alles so gekommen ist“, erzählt er.

Ein ganz anderer Typ ist Russel, er ist immer für einen Scherz gut. In seiner Heimat arbeitete er als Buchhalter. „Alle Kinder der Schule lieben ihn“, weiß Klassenlehrerin Ines Schmidt-Peters. „Es ist ein Geben und Nehmen. Er gehört zum Team.“ Wenn die Kinder Probleme haben, sei Russel da. Besonders schätze sie seine Zuverlässigkeit, seine Bereitschaft, sich an Regeln zu halten, und seine schnelle Auffassungsgabe. „Er lernt mit uns und bringt uns auch viel bei“, ist sie sich sicher. Zu Weihnachten lud die engagierte Lehrerin Russel sogar zu sich nach Hause ein.

Positives Bild

Damit die Eltern die beiden jungen Männer kennenlernen können, sind sie bei den Elternabenden mit dabei.

„Ich mag Kinder, es ist cool hier“, erzählt Russel, der, obwohl er erst seit fünf Monaten in Deutschland lebt, ebenso wie Manuel, schon gut Deutsch spricht.

In Angola arbeitete der junge Afrikaner zunächst als Telekommunikator dann vier Jahre in einer Schule als Hilfslehrer. Wäre die politische Situation in Afrika nicht so schlimm, hätte er dort ein pädagogisches Studium absolviert. „Ich fühle echte Dankbarkeit dafür, dass ich hier sein kann. Ich möchte für Deutschland mein Bestes geben“, sagt er schlicht. Hier möchte er sich ein neues Leben aufbauen.

Die Kinder aus den Klassen erleben die beiden Afrikaner durchweg positiv.

„Manuel ist nett, hilft uns und spielt mit uns“, erzählt Jonas. Jule gefällt es, mit einem Flüchtling zu lernen, Linus hat den Eindruck, dass er dabei gut Deutsch lernt und Emily freut sich, dass Frau Angelkort Hilfe hat. Ebenso sehen es die Kinder der Klasse 3b. „Russel ist für uns da“, berichtet Susan, während Marlin sich freut, dass der 24-Jährige viele tolle Spiele kennt. Mariella ihrerseits hört öfter Nachtrichten und versteht, warum er hier Asyl gesucht hat, und Timo erzählt bestimmt: „Russel ist mein bester Freund und ich freue mich, dass er da ist.“