Flüchtlingskinder werden individuell gefördert

 

Flüchtlingskinder werden an Schulen individuell gefördert

Birgitta von Rosenstiel, Schulleiterin der Lambertus Grundschule Walstedde.

Drensteinfurt –  Die vermehrte Aufnahme von Flüchtlingsfamilien in Drensteinfurt bedeutet auch Zuwachs an den Schulen. Während Schulen anderer Städte in NRW mit dem Ansturm kaum zurechtkommen, können die hiesigen Lehrer noch mit individueller Förderung auf die neue Herausforderung reagieren.

In der Lambertus Grundschule in Walstedde werden derzeit vier Kinder aus Flüchtlingsfamilien unterrichtet. Alle sind erst seit wenigen Monaten oder Wochen an der Schule, das erste Kind kam kurz vor den Sommerferien.

Für die Lehrer und ihre Unterrichtsgestaltung ist das eine Herausforderung, denn neben der sprachlichen Barriere müssen auch die unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen der Kinder berücksichtigt werden, erklärt Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel: „Die Kinder sprechen unterschiedlich gut Deutsch. Ein Mädchen aus einer syrischen Familie spricht und versteht die Sprache bereits sehr gut, weil auch die Eltern Deutsch können, sodass sie am regulären Unterricht teilnehmen kann“.

Bei den anderen drei Kindern, deren Familien aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen sind, sei dies noch nicht der Fall, sie müssen von den Klassenlehrern teilweise gesondert beschult werden. „Wir haben mit Hilfe der Stadt ein Lernprogramm bekommen, mit dem die Kinder Deutsch lernen können. Während die anderen Kinder im Deutschunterricht einen Aufsatz schreiben, lernen die Kinder aus Flüchtlingsfamilien dann beispielsweise mit diesem Programm“, sagt von Rosenstiel. Für jeden Schüler müsse individuell beurteilt werden, welche Vorkenntnisse in den verschiedenen Fächern bestehen. „Die Schulsysteme aus ihren Herkunftsländern sind nicht immer mit unserem zu vergleichen, teilweise haben die Kinder lange keine Schule mehr besucht oder nur mit großen Abständen dazwischen“, berichtet die Schulleiterin. So bearbeiten die Kinder oft andere Aufgaben, als der Rest der Klasse.

„Das bedeutet für die jeweiligen Lehrer schon einen erheblichen zeitlichen Mehraufwand“, sagt von Rosenstiel. Dass die Schule mit der Betreuung der Kinder aus Flüchtlingsfamilien an ihre Grenzen stoße, sei jedoch nicht der Fall, betont die Schulleiterin: „Bei vier Kindern ist das leistbar, da sie ja auch auf verschiedene Klassen verteilt sind“. Schwierig könne es ihrer Meinung nach werden, wenn sich die Zahl der zu betreuenden Kinder steig erhöht. Um ihr Kollegium zu entlasten und auch die Flüchtlingskinder besser fördern zu können, hofft von Rosenstiel jetzt auf ein Programm mit dem Kinder aus Flüchtlingsfamilien an Schulen in Münster unterrichtet werden. „Damit wir das Programm kaufen können, müssen jedoch noch einige lizenzrechtliche Belange geklärt werden“.

Laut Alessa Dohm vom Sozialamt der Stadt werden derzeit rund 20 Kinder aus Flüchtlingsfamilien an Drensteinfurter Schulen unterrichtet. Sobald Familien mit Kindern im Schulalter nach Drensteinfurt kämen, unterlägen die Kinder der geltenden Schulfpflicht. Einen Ansturm auf die städtischen Schulen gebe es hier jedoch nicht: „Einige der Kinder sind schon seit vielen Jahren hier und gut integriert“, sagt Dohm.

Drei Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien besuchen die Christ-König-Hauptschule in Drensteinfurt. Auch hier werden die Kinder individuell gefördert. „Wir arbeiten eng mit dem Kulturbahnhof zusammen, dort lernen die Jugendlichen an mehreren Nachmittagen in der Woche Deutsch“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Loer. In Deutsch, Englisch oder Mathe erhielten die Schüler außerdem gezielte Förderung von den jeweiligen Fachlehrern.

Etwas, das an beiden Schulen völlig problemlos verlaufe, sei der Kontakt der Kinder untereinander: „Von den Klassen wurden die Flüchtlingskinder ganz schnell aufgenommen, da gibt es keine Ausgrenzungen“, berichtet von Rosenstiel. „Die Jugendlichen fühlen sich bei uns wohl“, ist sich auch Loer sicher. – fmh

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