Modellprojekt zur Inklusion

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Modellprojekt zur Inklusion

Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel von der Lambertus-Grundschule in Walstedde fordert mehr Eigentverantwortung bei der Umsetzung der Inklusion.

Drensteinfurt – Schulen sollten bei der Umsetzung der Inklusion mehr freie Hand und Eigenverantwortung bekommen – das fordert Schulleiterin Birgitta von Rosenstiel. Und da tut sich was.

Ihre Lambertus-Grundschule in Walstedde soll eine von drei Modellschulen für ein Projekt werden, bei dem Integrationshelfer zu Schulbegleitern werden. Ein neuer Name und auch ein neues Konzept stecken dahinter. Dabei sind auch die Stewwerter Teamschule und die Mosaikschule in Ennigerloh. „Das Modell der Schulbegleiter wird das System Schule stärken“, ist sich von Rosenstiel sicher.

Bisher ist ein Integrationshelfer (eine Form der Eingliederungshilfe nach dem Sozialen Gesetzbuch) individuell für ein Kind mit geistiger oder körperlicher Behinderung oder einer psychischen Störung zuständig. Sie werden von den Eltern der Kinder individuell beim Sozial- oder Jugendamt beantragt. Die Schulbegleiter hingegen sollen Teil des Personalpools der Schule sein. Und sie sollen nicht mehr individuell nur für ein Kind da sein, sondern als Ansprechpartner und Hilfe für die gesamte Lerngruppe dienen.

Von Rosenstiel sieht viele Vorteile in dem Modellprojekt: „ Es findet eine höhere Bedarfsorientierung statt – sowohl bei der Auswahl, der Anzahl, der Qualifikation, der Arbeitszeit und dem Einsatz der Schulbegleiter.“ Der Einsatz solle in den wöchentlichen Teamsitzungen besprochen werden und flexibel sein.

Als Beispiel nennt sie Kinder mit Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung. Diese bräuchten nicht ständig individuell betreut werden. „In ruhigen Phasen kann der Schulbegleiter sich dann um andere Kinder kümmern.“

Das Modellprojekt soll gemeinsam vom Kreis Warendorf, den Modellschulen und dem Träger der Integrationshelfer umgesetzt werden. Es soll zunächst über vier Jahre laufen, in denen die teilnehmenden drei Schulen ein festes Budget zugewiesen bekommen. Wie hoch das sei, könne er noch nicht definitiv sagen, so Kreisdirektor Dr. Heinz Börger. „Das orientiert sich an den bisherigen Aufwendungen für die Integrationshelfer und den Bedarf der Schule. Mit dem Budget können die Schulen frei über den Einsatz der Schulbegleiter entscheiden.

An der Lambertusschule sollen es zum Beispiel vier sein. Aktuell gibt es dort drei Integrationshelfer. Die Schulbegleiter werden damit Teil des Personalpools der Schule. Die Schulleiter sollen auch stärker in die Personalauswahl eingebunden werden, sagt Börger. Angestellt sein sollen die Schulbegleiter aber wie bisher beim Trägerverbund.

Börger finde die Idee „sehr gut“. Es bestärke Schulen im Unterricht von Kindern mit besonderem pädagogischem Förderbedarf. Das Schulbegleiter-Modell werde bereits an Schulen im Kreis Osterholz-Scharnbeck und im Kreis Minden-Lübecke umgesetzt. „Die Erfahrungen dort sind positiv“, so Börger.

Die Schulbegleiter ersetzen die Integrationshelfer. Das bedeutet auch, dass Eltern, deren Kinder an einer der drei Modellschulen sind, während der Projektlaufzeit keine Integrationshelfer beantragen können. Die betroffenen Eltern seien einverstanden, sagt von Rosenstiel. „Diese individuelle Beantragung ist nicht nur für den Kreis, sondern auch für uns Schulen und nicht zuletzt für die Eltern sehr aufwändig. Alle wurden stark in den Prozess einbezogen“, so die Schulleiterin. Es müssten zum Beispiel mehrseitige Fragebögen ausgefüllt werden, es gebe Schul-und Hausbesuche und Hilfeplan-Gespräche.

Der verringerte Verwaltungsaufwand sei ein weiterer Vorteil des Modellprojektes. Die Kosten für die Eingliederungshilfen sind in den vergangenen Jahren enorm angestiegen: „So hat der Kreis Warendorf in 2012 noch insgesamt 1,3 Millionen Euro aufgewendet, in 2014 waren es schon 2,3 Millionen“, sagt Kreisdirektor Börger. Eine Senkung der Kosten erwarte der Kreis durch das Modellprojekt nicht. „Vielleicht trägt es aber zu einer Kostendämpfung bei der Eingliederungshilfe bei“, so Börger.

Derzeit werde der Vertrag für das Projekt erarbeitet. Der Sozial- und Jugendhilfeausschuss des Kreises sowie der Kreistag müssen im September noch über das Modellprojekt abstimmen. Börger ist optimistisch, dass die Abstimmung positiv ausfällt. Der Vertrag solle dann rückwirkend zum bereits laufenden Schuljahr in Kraft treten.